Nachrichten & Pressemeldungen -
Wie kann die europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) gut umgesetzt werden?
Die Europäische Kommission hat diesen Sommer Unternehmen undWissenschaftler*innen, NGOs, Gewerkschaften und Bürger*innen zur Umsetzung der europäischen Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) befragt. FEMNET hat sich an der Konsultation beteiligt. Insgesamt wurden über 500 beantwortete Fragebögen eingereicht. Im Mittelpunkt der Konsultation stand dabei vor allem die Frage, wie die Richtlinie möglichst kosteneffizient umgesetzt werden kann. Entscheidend sollte jedoch sein, welche Werkzeuge am wirksamsten sind, um Menschenrechte zu wahren und Umwelt und Klima zu schützen.
Die Frage nach der Umsetzung der Richtlinie ist berechtigt. Doch der Fokus der Kommission lag nicht auf Wirkungseffizienz. Stattdessen zielten die Fragen darauf ab, möglichst große Kosteneffizienz zu erreichen. Lobbyverbände der Textilindustrie versuchten über Jahre hinweg, die Debatte in eine bestimmte Richtung zu lenken. „Zunehmend entsteht der Eindruck, dass sich auch das Framing auf EU-Ebene entsprechend verschiebt. Als ginge es bei der europäischen Lieferkettenrichtlinie primär um die Umsetzung von scheinbar ‚kostengünstigen‘ Lösungen statt um Menschenrechte.“ sagt Adiba Afros, Beisitzerin im Vorstand bei FEMNET.
Klar ist: Die historisch gewachsene Ausbeutung von Mensch und Umwelt ist für Unternehmen aus dem Globalen Norden lukrativ. Doch es ist an der Zeit, für die wahren Kosten unseres Wirtschaftens Verantwortung zu übernehmen, anstatt sie weiter auf den Globalen Süden abzuwälzen. Am Ende tragen wir als Gesellschaft alle diese Kosten. Kollektiv. Während einige wenige profitieren. Das ist nicht gerecht. Deshalb brauchen wir ein starkes europäisches Lieferkettengesetz, das Menschenrechte wahrt, Umwelt und Klima schützt, und die real entstehenden Kosten in den Lieferketten gerechter verteilt.
Das europäische Lieferkettengesetz hat eine beispiellose Lobbykampagne überstanden, wenn auch in abgeschwächter Form. Mit der Leitlinie zur Umsetzung der CSDDD kann die Kommission nun dafür sorgen, echte Ergebnisse für Arbeiter*innen, Gemeinschaften und die Umwelt umzusetzen, anstatt weiter an einer Fassade „kosteneffizienter“ Compliance zu bauen. Nicht die Wirtschaft darf die Grenzen setzen, sondern unsere politischen Prioritäten!

